Im Rahmen meiner Biel-Vorbereitung ist auch ein Marathon als Wettkampf vorgesehen. Zwar flott, aber trotzdem mit angezogener Handbremse, danach die Wochen soll ja locker flockig weiter trainiert werden.
Bereits im Vorfeld bot sich Würzburg an. Wir kennen diese schöne Stadt ganz gut, es gab als Premiere bei der 8. Auflage erstmalig einen Einrundenkurs, der Termin passte, Würzburg ist nicht so weit zu fahren und unser Hotel lag nicht nur schlappe 50m vom Start-/Zielbereich entfernt, es bot auch einen Late-Checkout, man konnte also nach dem Lauf in Ruhe Duschen etc.
Soweit also alles perfekt. Die Vorbereitungen liefen fast schon beängstigend gut und ich war in Topform. Eine Gefahr bestand lediglich in der Versuchung, meine bisherige PB (3:44:50) mal eben en passant verbessern zu wollen und dadurch dann doch zu überziehen. Diese Gefahr verringerte sich deutlich, als die Wetterprognosen für den Sonntag sonnige 23°C versprachen, das ist ja nun so garnicht mein Wetter.
Nachdem ich also am Sonntag morgen gegen 9:40 Uhr mein Hotelzimmer Richtung Start verließ, war es schon ganz angenehm warm. Wie sagte Papa Greif mal irgendwo: Wenn Du am Start nicht leicht fröstelst, dann wird es keine Bestzeit. Ich fröstelte so gar nicht.
Um definitiv nicht zu schnell zu laufen, hatte ich mir meine Pacetabelle mit den üblichen maximalen Pulswerten je 5km-Abschnitt gebastelt, nur hatte ich diesmal die maximalen Pulswerte jeweils um 2-3 Schläge nach unten korrigiert. Daran wollte ich mich halten, dann konnte nix schief gehen.
Um 10:00 Uhr wurden wir dann mit einem Böllerschuß auf die Reise geschickt. Ich brauche immer einige Zeit, um meinen Rhythmus zu finden und die ersten 5km sind bei einem Marathon bei mir immer die langsamsten. Diesmal fand sich aber erst einmal gar kein Rhythmus. Nachdem wir ein Schleife nördlich des Start-/Zielbereichs gedreht hatte, ging es nach ca. 2,5km über eine Brücke über den Main. Hier spielte eine Rockband ziemlich laut und verbreitete gute Stimmung. Danach wurde die Strecke etwas unübersichtlich und auch ziemlich hügelig. Im Bestreben meinen Puls unten zu halten, sanken meine km-Zeiten auf 5:45-5:50 min/km. Etwa bei km 5 oder 6 zog plötzlich eine größere Truppe an mir vorbei, angeführt von einem Pacer, auf dessen Ballon 3:59h stand. Langsam entschwand der Ballon meinem Blickfeld, mmhh, so ein Tag also.
Das ständige auf und ab, rechts und links war etwas nervig, die Kurven in der Innenstadt kaum zu zählen. Dafür war die Stimmung gut und es gab durch die hohen Häuser einigen Schatten. Nach 10km standen etwas enttäuschende 56min auf der Uhr. Danach waren die übelsten Hügel allerdings vorbei und ich fand endlich so etwas wie einen Rhythmus, der sich km-mäßig dann so zwischen 5:10 und 5:25 min einpendelte, je nachdem ob es mehr rauf oder runter ging. Dadurch schluckte ich ca. bei km 11 dann auch recht zügig den 3:59h Ballon, geht doch, alles wird gut.
Ab km 12 ging es dann recht ungewohnt mal fast 3km geradeaus am Main entlang. Hier konnte man es rollen lassen, bevor es wieder in die verschlungenen, dafür aber stimmungsvollen Strassen der Innenstadt ging. Kurz nach km19 dann die Weiche, rechts ging es zurück über den Main ins Halbmarathonziel, die Marathonis durften links weiterlaufen. Den zweiten 10km-Abshcnitt absolvierte ich in knapp 53min, also 3min schneller als die ersten 10km, das lief ganz gut. Nach ein paar ausgedehnten Kurven und Kehren war bei knapp 1:55h die HM-Matte überquert. Da ich die zweite Hälfte etwas schneller laufen wollte, würde es also wohl eine Zeit knapp unter 3:50h werden, nicht schlecht.
Zunächst ging es aber wieder über den Main, auf der gleichen Brücke wie schon bei km 2,5, immer noch legte sich die Band hier ins Zeug, jetzt allerdings für deutlich weniger Läufer. Dann ging es Richtung Süden, erst einmal fast direkt am Ziel vorbei, in das viele glückliche Halbmarathonis wohl gerade noch knapp unter 2h ins einliefen. Ab km 24 ging es dann knapp 6km recht flach und gerade Richtung Süden, meine km-Zeiten lagen fast uhrwerkmäßig bei 5:15min. Erst verlief der Weg recht schattig auf einem Fahrradweg, dann eher in der prallen Sonne auf der Strasse. Kurz vor km 30 (auch dieser 10km Abschnitt knapp unter 53min) war der Wendepunkt und parallel ging es zunächst einmal 2km zurück und dann über eine Mainbrücke wieder auf die andere Seite. Dort trafen wir dann wieder auf die Strecke, die wir ab km 12 schon gelaufen waren.
Mittlerweile war es jetzt gut warm. Mein Vorsprung auf eine 3:49:59 betrug nach Pacetabelle bei km 30 gute 2min, eine Bestzeit würde es nicht mehr werden, also entschloß ich mich, noch einen kleinen Gang herauszunehmen und mich nicht mehr anzustrengen, als für 3:49 eben nötig war. So konnte ich den letzten Zickzack-Lauf durch die Innenstadt, in der die Stimmung immer noch brodelte, sehr gut geniessen, bis auf eine kleine Schrecksekunde: Kurz nach km 38 bin ich an den rechten Verpflegungstisch gelaufen, weil der linke stark belagert war. Dann durfte ich feststellen, daß die Strecke vor mir rechts abbog und ich das 41km-Schild vor mir hatte. Als ich die Seite gewechselt hatte, war mir kein Absperrband aufgefallen, nun war eines links neben mir. Also kurz angehalten und schnell wieder unter dem Flatterband durch auf die linke Seite auf die letzte 3km-Runde, sonst wäre ich doch etwas fix gewesen.
Das 40km-Schild passierte ich mit knapp unter 55min für die letzten 10km und schon war dann wieder an der gleichen Stelle und konnte beruhigt rechts abbiegen. Unter großem Beifall dann der letzte Anstieg auf die alte Mainbrücke, dem Fotografen trotz des heftigen Kopfsteinpflasters ein Lächeln spendiert und dann zum Endspurt an unserem Hotel vorbei ins Ziel, das ich dann planmäßig in 3:49:09 erreichte (1. Hälfte 1:54:53, 2 Hälfte 1:54:15).
Nach der Medaillenübergabe gab es dann noch eine wirklich tolle Zielverpflegung. Neben den üblichen Getränken auch reichlich alkoholfreies Weißbier, ein sehr breites Angebot an frischem Obst (Äpfel, Birnen, Bananen, Wassermelonen. Honigmelonen, Weintrauben) und mehrer Sorten von sehr leckerem Vollwertkuchen.
Fazit zum Lauf:
Der Streckenplan ließ ja schon vermuten, daß es ein wenig kurvig wird. Schwindlig ist mit zwar nicht geworden, aber ich fand die Streckenführung schon etwas gekünstelt. Vor allem die ersten 10km fand ich auch ziemlich "hügelig". Die Stimmung in der Innenstadt war toll, da gab es auch viel Schatten. Immerhin ein großer Vorteil der Streckenführung. Beides galt nämlich für den Streckenabschnitt km 25-33 raus nach Heidingsfeld eher nicht.
Fazit zum Ergebnis:
Die sehr gute Form hat sich bestätigt. Trotz des für mich viel zu warmen Wetters und der doch schwierig zu laufenden Strecke hätte ich gestern bei „voller Pulle“ Bestzeit laufen können, bei flacher Strecke und kühlem Wetter hätte ich sie wohl pulverisieren können. Das gibt mir viel Selbstvertrauen für die nächsten Trainingswochen bis Biel.
Jetzt geht es am Donnerstag erst einmal zu einem verlängerten Wochenende nach Berlin, wo ich am Sonntag die 25km als Sightseeing-Tour mitlaufen werde, dann werden die km wieder hochgeschraubt, am 24.05. wird dann noch der Mannheim-Marathon gejoggt und dann ist es auch bald so weit.