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Marathon Berichte

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Alt 30.03.2007, 19:56   Der erste Marathon Beitrag #1
milchner
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Standard Der erste Marathon

Ich weiß nicht, ob es hier im Forum schon einmal einen Thread zu dem Thema gab, aber mich würde es schon interessieren.
Wie lief euer erster Marathon?

Und weil ich nicht zurückstehen möchte, hier mein Bericht:

Am 12. Mai des Jahres 2002 war es endlich soweit. Nach langer Vorbereitung, hartem Training und einer (fast) schlaflosen Nacht sollte er stattfinden, mein erster MARATHON.

Nun würde sich zeigen, ob das monatelange Training gefruchtet hat, oder ob es doch nicht genug war um die Strecke von 42,195 km zügig laufend zu überwinden.

Wir fuhren mit dem PKW an, und bekamen (da wir recht zeitig dran waren) einen Parkplatz direkt am Westbad in Regensburg.
Von hier, genauer gesagt im dem (Siemens)-Stadion nebenan war der Start geplant.

Als erstes ging es zur Anmeldung.
Ort der Anmeldung war eine Halle, die gleich in de Nähe des Stadions lag.
Hier erwarteten uns drei „Schalter“, die eine flotte Anmeldung, Startnummernausgabe und Chiperwerb gewährleisteten.
Aufgrund der vielen Sponsoren erhielt jeder Läufer viele Kleinigkeiten als Geschenk, wie z.B. Powerbar, einen Gutschein für Laufschuhe, Tapes, Trinkbecher, Zeitschriften ect.
Die nicht benötigten Kleider und Kleinode konnte man ebenfalls dort abgeben. Sein Hab und Gut konnte man dann nach dem Zieleinlauf abholen.

Es war erstaunlich wie viele Leute schon um 07:00 Uhr in der Früh hier versammelt waren, wo doch der Start erst um 09:00 Uhr stattfinden sollte.

Da waren Leute, die sich schon komplett für den Lauf umgezogen hatten und bei den morgentlich frischen Temperaturen schon in kurzer Hose und Laufshirt dastanden, Kinder die ihre Idole anhimmelten, Frauen die ihren Männern Mut machten, Laufdebütanten (wie ich einer war) die einfach noch nicht genau wussten, wie sie sich verhalten sollten und natürlich viel Schaulustige.

Es gab aber auch immer Organisatoren, die einem mit Rat und Tat zur Seite standen, ob es nun um den Weg zum Start, eine Toilette oder ein Pflaster ging.

Die Zeit verging im Flug, und schön langsam begann auch ich mit meinen Aufwärmübungen, die ich direkt neben der Startlinie praktizierte.
Von hier aus konnte ich die Starter des Rennens im „Speedskating“ beobachten, die um halb neun loslegen mussten.
Als der Startschuß für die Skater viel pochte mein Herz vor Aufregung, denn ich wusste, dass meine Zeit in einer halben Stunde auch kommen würde.
Um viertel vor neun fand ich mich dann in meinem Startblock ein.
Zur Erklärung muß ich sagen, dass die Läufer im Vorfeld (bei der Anmeldung) nach ihrer Marathonerfahrung und ihren bisherigen Marathonzeiten in die Blöcke aufgeteilt wurden. Hierbei kamen die „Schnellen“ in die vorderen, und die langsameren und Debütanten in die hinteren Blöcke. Dies macht Sinn, denn so werden die Profis nicht von Hobbyläufern behindert.
Bevor ich mich versehen konnte viel dann auch der Startschuß. Allerdings konnten wir Läufer aus Block „B“ erst ca. 3 Minuten danach loslaufen, da sich die Menschenmenge vor uns erst zu diesem Zeitpunkt in Bewegung setzte.
Da jedoch erst ab überlaufen der Startlinie die Zeit genommen wird bedeutete dass keinen Nachteil für die hinteren Läufer.

Nun ging es endlich los. Unter dem Jubel der ca. 2000 Zuschauer im Stadion begann mein erster Marathon.

Die ersten fünf Kilometer gingen Richtung Innenstadt, wobei die abgetrennte Laufstrecke von vielen anfeuernden Menschen gesäumt wurde. Das überwältigende Gefühl, dass da Leute sind die einen aufbauen, ließ mich die Zeit vergessen, so dass ich gar nicht richtig realisierte, dass ich schon am Schild „5-KM-Rest 37“ vorbei kam.

Jetzt folgte eine wundervolle Strecke, die mitten durch die Regensburger Altstadt ging, unter wunderschönen Toren durch, an antiken Kirchen vorbei und begleitet von tausenden jubelnden Menschen.

Musikgruppen, Sambatänzerinnen, Trachtler, Blechbläser, Spielmannszüge, Alleinunterhalter und lecker duftende Würstchenbuden säumten die Laufstrecke und ließen den Läufern gar keine Zeit zum Sinnieren über eventuelle Schmerzen. So passierte ich dann auch bald das 10-KM-Rest 32“ Schild.

Nun folgte eine Strecke, die aus Regensburg raus führte, in ein Industriegebiet. Hier waren nicht annähernd so viele Menschen wie in der Innenstadt, jedoch befanden sich hier vermehrt Stationen mit Bananen, Wasserbechern (gefüllten), Sportdrinks und Häppchen von Energizern.
Gestärkt ließ ich das „15KM-Rest 37“ Schild hinter mir.
Nun ging es wieder in die Stadt, auf einer anderen, aber ebenfalls wunderschönen Route an dem Regensburger Dom vorbei, vorbei an der berühmten „Wurschtkuchl“ und hoch auf die „Steinerne Brücke“, die wieder Richtung Stadion führte.
Das „20KM-Rest 22“ Schild hinter mir lassend liefen wir durch eine ruhige Wohngegend, bevor wir dann am Halbmarathon-Punkt von aufmerksamen Ordnern weiter geleitet wurden. Dazu eine Erklärung:
Gleichzeitig mit dem Marathon fand auch ein Halbmarathonlauf statt. Das bedeutet, dass die Marathonläufer blaue Schilder, die Halbmarathonläufer orange bekamen, so dass die Ordner kurz vor dem Halbmarathonziel die Marathonläufer weiterleiteten, und die Halbmarathonläufer glücklich ins Ziel laufen durften.
Ein wenig Wehmut überfiel mich, als ich mir vorstellte, genau die gleiche Strecke noch mal zurücklegen zu müssen. Während sich ca. 5000 Halbmarathonläufer ihrem Ziel näherten, lag meines noch mal eine Halbmarathonstrecke weg von mir.

Ich lief also weiter, vorbei an den Musikgruppen, durch die Innenstadt Richtung stadtauswärts, vorbei an den vielen Ständen mit Verpflegung, ließ die 30-KM Rest 12 Marke hinter mir und war schon wieder auf dem Weg in die Stadt.

Bei Kilometer 35 (ungefähr auf der Höhe des Regensburger Domes) bekam ich dann einen schlimmen Krampf in meiner Leiste, so dass ich mein Lauftempo erheblich verringern musste.
Trotzdem passierte ich bald das „40KM-Rest 2“ Schild und sah bald die Ziellinie ein paar Hundert Meter vor mir.
Ein riesiger Lärmpegel der Menschenmenge im Stadion empfing uns, und unter dem Eindruck von vielen jubelnden Menschen lief ich durch das Ziel in 4:08:25 Stunden. Ich hätte schreien können, konnte aber nur noch weinen.
Wenn es schöne Gefühle auf dieser Welt gibt, so gehörte dieses Erlebte auf alle Fälle zu den Schönsten. Tausend schwere Steine fallen einem von seinem Herzen. Man fühlt sich, als könne man Bäume ausreißen (sobald man wieder gehen kann).
Stolz durfte ich meine Urkunde in Empfang nehmen, meine Medaille abholen und das Zieleinlauftrikot anziehen.
Im Ziel gab es dann Erfrischungen in Form von Getränken und Bananen. Und natürlich die vielen Gratulanten.
Nachdem ich einwenig verschnauft hatte, duschte ich in den Umkleiden des „Westbades“. Alle Teilnehmer des Marathons durften hier kostenlos duschen, schwimmen gehen und sich massieren lassen.
Das Ziel glich eines Jahrmarktes. Hier war ein Bierzelt aufgebaut, zig verschiedenen Stände, von Würstchen bis zu Lotterieständen, viele Bänke zum Ausruhen und zum Erfahrungen austauschen mit Gleichgesinnten.

So, nun aber zu den Fakten:

REGENSBURGER STADTMARATHON

Länge: 42,195 km
Teilnehmer: ca. 1600 (und zusätzlich 5000 Halbmarathonläufer)
Datum: 12.05.2002
Belag: Pflastersteine, Beton und Asphalt
Panorama: Mischung aus antiker Altstadt, Gewerbegebiet und Wohngebieten
Zuschauer: Reichlich
Sonstiges: Wie bereits geschildert, viele Bands, Tazgruppen ect.
Ausrichter: Regensburger Marathon Club
Gebühr: ca. 30EUR
Präsente nach Zieleinlauf: T-Shirt, Urkunde, Medaille
Organisation: Einfach spitze.

Fazit:

Bei dem Fazit möchte ich mich kurz fassen, da ich schon viel eigenes Empfinden in den Haupttext gelegt habe, jedoch möchte ich noch eines sagen:
Dieser Marathon ist meiner Meinung nach einfach ideal als Debüt-Marathon, da die Streckenführung sehr eben ist und vor allem sehr abwechslungsreich.
Für Profis eignet sich der Marathon ebenfalls, da attraktive Siegprämien warten, eine Mannschaftswertung vorgenommen wird und die sog. „Siemensmeisterschaft“ hier ausgetragen wird.

Also, ab in die Laufschuhe, trainieren und im Juni 2003 sehen wir uns in Regensburg.

Ich hoffe, mein Bericht hat euch gefallen,
Uwe
milchner ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 07.04.2007, 22:09   Der erste Marathon Beitrag #2
thomas
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Standard AW: Der erste Marathon

REGENSBURGER STADTMARATHON
Länge: 41,195 km

Hm, dann berichte doch mal von Deinem zweiten wo Du doch den ersten wohl nicht zu Ende gelaufen hast.
thomas ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 07.04.2007, 23:59   Der erste Marathon Beitrag #3
thomas
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Standard AW: Der erste Marathon

Tja, bei mir war es so das nicht ich ihn, sondern er mich ausgesucht hat ! Hab im Jan. '03 mit dem Laufen angefangen nachdem ich im Aug. zuvor nach 23 Jahren endlich das Rauchen aufgegeben hatte. War dann im Juli auf Urlaub in Davos und kam auf einer Bergtour mit einem ca. 55 jährigen Wanderer ins Gespräch der mir erzählte das er schon zum 8. mal am Swiss Alpine teilnimmt. Allerdings immer nur die 30 Km Strecke, da sein ihn begleitender Hund nicht mehr schafft ! Ungelogen, das waren seine Worte. Da ich im Training einmal ca 21 Km zurückgelegt hatte, dachte ich mir, das ich die 30 Km wohl auch schaffen könnte. Also einige Tage später zur Anmeldung. Da ich bis dahin völlig ohne Wettkampferfahrung war, hab ich dort alles ehrfürchig ,am Rande stehend auf mich wirken lassen. Evtl. war das auch der Grund warum mir irgendwann der Gedanke durch den Kopf schoß das ich im Ziel wahrscheinlich enttäuscht währe wenn ich noch weiter könnte aber nicht dürfte. Warum also nicht für einen Ganzen melden mit der Option nach 30 Km mit Zielwertung auszusteigen wenn nichts mehr gehen sollte. Gedacht, getan. 42.2 km +1200 m/-590 m, Davos liegt halt nicht im Flachland. Allerdings geht es am Anfang längere Zeit leicht bergab und ich hab es vorsichtig angehen lassen. Dort hat es halt eher weniger Zuschauer, aber das grandiose Panorama entschädigt für alle Qualen und Strapazen. Wer hätte es gedacht, nach 30 Km war ich fertig wie das Männchen hinter dem Ofen, aber aufhören, nein , eigentlich nie daran gedacht. Und dann kamen die Höhenmeter und viele Gehpausen. Tja, und am Tiefpunkt ein ca M60 Läufer der sich meiner annahm, mich wieder aufrichtete und mich bis ins Ziel begleitete ,welches wir in 5:37 erreichten. Rotz und Wasser heulend, aber stolz wie ein König , Bei diesem Ersten ist es nicht geblieben, aber mein Herz hab ich an den SAM verlohren.
http://www.alpine-davos.ch/cms/uebersicht.phtml
thomas ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 08.04.2007, 12:00   Der erste Marathon Beitrag #4
Dogi
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Standard AW: Der erste Marathon

Der "harte" thomas ganz sentimental, wenn er Rotz und Wasser heult.

Schade, dass es kein "langer" Bericht war, hätte mir echt gefallen. Bei Gelegenheit kannst ja mal tippen ;-)

Gruß
Dogi

*respektzollend*
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Alt 08.04.2007, 22:35   Der erste Marathon Beitrag #5
milchner
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Standard AW: Der erste Marathon

Zitat:
Zitat von thomas
REGENSBURGER STADTMARATHON
Länge: 41,195 km

Hm, dann berichte doch mal von Deinem zweiten wo Du doch den ersten wohl nicht zu Ende gelaufen hast.
Ja, das war klar, dass es Dir auffällt Ich hab´s ausgebessert. War ein Tippfehler.
milchner ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 10.04.2007, 18:01   Der erste Marathon Beitrag #6
Kiewi
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Standard AW: Der erste Marathon

Ich berichte dann auch mal von menem ersten Marathon.
Vorsicht lang


So. 11.09.05

Marathonlauf Münster


km 01: 6:09
km 02: 12:18
km 03: 18:27
km 04: 24:36
km 05: 30:45

km 06: 36:54
km 07: 43:03
km 08: 49:12
km 09: 55:21
km 10: 1:01:30

km 11: 1:07:39
km 12: 1:13:48
km 13: 1:19:57
km 14: 1:26:06
km 15: 1:32:15

km 16: 1:38:24
km 17: 1:44:33
km 18: 1:50:42
km 19: 1:56:51
km 20: 2:03

km 21: 2:09:09
HM: 2:09:45




km 22: 2:15:18
km 23: 2:21:27
km 24: 2:27:36
km 25: 2:33:45

km 26: 2:39:54
km 27: 2:46:03
km 28: 2:52:12
km 29: 2:58:21
km 30: 3:04:30

km 31: 3:10:39
km 32: 3:16:48
km 33: 3:22:57
km 34: 3:29:06
km 35: 3:35:15

km 36: 3:41:24
km 37: 3:47:33
km 38: 3:53:42
km 39: 3:59:51
km 40: 4:06

km 41: 4:12:09
km 42: 4:18:18

Marathon 4:19:30

< 4:20 h

Meine tatsächlich gelaufenen Zeiten:

10 km: 01:01:48
Hm : 02:11:40
30 km: 03:08:00
Gesamt: 04:22:30

Altersklassenwertung: Platz 30 (W45)
Gesamtwertung: Platz 283

Die Nacht vorher:

Habe relativ gut geschlafen.

Der Morgen:

5:00 Uhr aufgestanden,fertig gemacht,gefrühstückt,mit Paul spazieren gegangen. 6:45 Uhr haben mich Günther und Anita abgeholt.
Um 8:00 Uhr haben wir uns mit unseren Vereinskameraden zum Foto getroffen.
So ungefähr 1000 mal habe ich meine Schuhe neu geschnürt und 75 Mal war ich zum Dixi.


Das Wetter:

Für mich optimal,ca 20°,bedeckt,trocken,kaum Wind

Der Lauf:

Um 9:00 fiel der Startschuss

Zunächst ging es durch Münsters City. Etwas unangenehm,da viel Kopfsteinpflaster.Später ging es am Aasee vorbei und dann weiter Richtung Gievenbeck und Roxel. Ab km 4 setzten so allmählich die Probleme mit der rechten Archillessehne ein, was mich veranlasste den Lauf sehr vorsichtig anzugehen.Ich wollte auf keinen Fall aussteigen müssen.
Konditionsmässig habe ich mich supergut gefühlt.Psychisch war ich wegen der Sehne sehr unter Druck.
Kilometer um Kilometer habe ich heruntergespult und mich durch nichts ablenken lassen, ich denke ich bin auch relativ gleichmässig gelaufen.
Ca. ab Km 25 kamen leichte Steigungen dazu, das Profil wurde etwas wellig.Viele Läufer waren zu Gehpausen gezwungen.Ich denke, durch mein einigermassen gleichmässiges Tempo konnte ich dieses Profil sehr gut bewältigen.Ab km 30 bekam ich Schmerzen im linken Fuss,sodass ich etwas von meiner Sehne abgelenkt wurde. Auf den Mann mit dem Hammer habe ich vergeblich gewartet.Ich hatte eher den Gedanken "nur noch" 12 km laufen zu müssen.Ab km 35 wurde ich schon leicht euphorisch,ich wusste ich würde es schaffen,ich würde die Sehne und den Fuss bis zum Ende aushalten können.Ab km 4o bin ich losgeflitzt und hatte plötzlich einen Riesenspass,den Marathon konnte mir keiner mehr nehmen. Und dann hatte ich es tatsächlich geschafft und ich war mächtig stolz auf mich.

Die Verpflegung:

Die Verpflegung war sehr gut, alle 2,5 km wurden wir versorgt.
Wasser,Iso,Cola,Bananen,Orangen.

Dixis:

Waren unterwegs reichlich vorhanden.
Habe ich aber Gott sei dank nicht gebraucht. Hatte mich zu Anfang einmal in die Büsche geschlagen und hatte dann Ruhe.

Die Stimmung:

Einfach grandios, in der City sowieso. Beeindruckend waren die Leute auf freier Strecke und später in Roxel. Da waren unterwegs Nachbarschaftsfeten organisiert. Man wurde teilweise richtig aufgeputscht.
Super waren auch die Sambatruppen und die einzelnen Station vom WDR, da war richtig was los.
Unvergesslich werden mir die letzten 2 km 195 m sein. Die Leute haben die Läufer mit ihrer Stimmung ins Ziel getragen.

Die Menschen:

Sie waren so freundlich, es waren private Verpflegungsstationen eingerichtet,es waren Duschen von Anliegern aufgebaut.Teilweise haben wir gemeinsam die Laola praktiziert.
Richtig gefreut habe ich mich über ehemalige Laufkollegen aus Neuenkirchen, die mich so nett angefeuert haben.
Unsere Leute aus Elte tauchten immer wieder an der Strecke auf und haben mich motiviert.
Superschön war, dass mein Mann und meine Tochter an der Strecke standen,das hat so gut getan.

Im Ziel:

Im Zieleinlauf standen noch mein Schwager mit seinem Sohn und natürlich mein Mann und meine Tochter. Die Leute aus unserem Verein waren auch alle da, es war einfach toll.
In Folie gewickelt und mit meiner Medaille bin ich zu meinen beiden. Es war so schön, zu hören:" Mama, du hast es geschafft,ich bin so stolz auf dich"
Und mein Werner war auch stolz, den Bussi durch den Zaun hatte ich mir echt verdient.
Ich habe mir noch mein Finisher T-Shirt abgeholt, und wir sind direkt nach Hause. Wie immer nach einem Wettkampf plagten mich starke Magenkrämpfe und dieses Mal auch Durchfall.

Der Nachmittag:

Zu Hause angekommen,schnell den PC angeschmissen und eine Pm an eine mir liebgewonnene Freundin geschickt und im Forum Bescheid gesagt,dass ich wieder da bin.
Dann ab in die heisse Wanne.
Am späten Nachmittag mit allen Finishern unseres Vereins samt Werner und Johanna Pizza essen und dann ab nach Hause.

Der Abend:

Ein paar Telefonate und mein Schwager war noch kurz da,
und dann relaxed und Sehnenpflege.

Fazit:

Ein tolles Erlebnis, falls meine Sehne mir keinen Streich spielt werde ich mich nächstes Jahr wieder auf das Abenteuer Marathon einlassen.
Dieses Mal nicht mehr als Greenhorn.
Ich habe für mich während der Vorbereitung viele Erfahrungen gesammelt und bin mit meinen Füssen durch viele Höhen und Tiefen gegangen. Worauf ich besonders stolz bin? Dass ich das Training vom ersten bis zum letzten Tag durchgezogen habe, und das ich trotz meiner vielen Wehwehchen nie aufgegeben habe.
Ich bin eben doch keine Zimperliese!

Ein letztes Wort:

Ich bin meinem Trainer Eugen sehr dankbar, ohne ihn wäre ich nie so gut durch die Zeit des Trainings gekommen und hätte den Marathon nicht laufen können.
Es war auch ganz toll, wie gut ich in unseren Verein aufgenommen worden bin.Ich habe viel von unseren alten Hasen gelernt.
Danke sagen möchte ich auch allen Leuten aus meinem Laufforum,die immer ein nettes Wort für mich hatten, mich oft aufgemuntert haben und hoffentlich auch viel Spass mit dat Kiewi hatten,dat meinte, Marathon laufen zu müssen.
Ganz besonders denke ich jetzt an jemanden,dem es im Moment gar nicht gut geht,und der mir trotzdem immer aufmunternde Worte gemailet hat.
Und natürlich darf ich meinen Chef nicht vergessen,der oft Rücksicht auf mein Training genommen hat.
Den Physio,der Abends um 8 noch meine Shenen und Waden bearbeitet hat,damit ich nach Münster konnte,darf ich auch nicht vergessen.
Natürlich darf ich auch Orthopädie Woltering nicht vergessen,die sich solche Mühe mit meinen Einlagen gegeben haben.l
Und zum guten Schluss finde ich es ganz toll, dass mein Mann und meine Tochter es die ganze Zeit mit ihrer total ausgeflippten, laufverrückten Ehefrau und Mama ausgehalten haben.

So liebes Tagebuch,das war`s
_________________
Wieso regnet es auf meinen Langen eigentlich immer ?

Maaaradoooondebüüühh 11.09.05 Münster 4:22:30
23.04.06 5 km Allwetterzoo Münster 23:46
12.05.06 Lauf in Detten 10 km 49:25
18.08.06 HM Spelle 1:53:37
10.09.06 Volksbank-Münster-Marathon 04:09:11
30.09.06 10 km Kirmeslauf Saerbeck 49:44
24.03.07 HM Saerbeck 1:57:16
07.04.o7 10 km Steinbeck 51:16
29.04.07 Hamburg-Marathon Startnr. F 3662
03.06.07 Hennef 10 km
Kiewi ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 10.04.2007, 19:51   Der erste Marathon Beitrag #7
toprun
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Standard AW: Der erste Marathon

jaja,

der erste marathon!!!
wer könnte den vergessen?!

das ist für immer in einem drin.



greetz,

toprun
toprun ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 10.04.2007, 20:09   Der erste Marathon Beitrag #8
milchner
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Standard AW: Der erste Marathon

@Kiewi: für diesen Klassebericht !!! Wer danach nicht Lust auf einen Marathon kriegt ist selber schuld
Glückwunsch !!! Und Hamburg ist jetzt der wievielte?
milchner ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 10.04.2007, 21:40   Der erste Marathon Beitrag #9
Kiewi
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Beiträge: 201
Standard AW: Der erste Marathon

@ toprun : ich werde auch nie vergessen wer daran schuld war

@ milchner: HH ist der dritte

wenn du magst kannst du den bericht vom zweiten auch bekommen, hihi

die beiden mümas habe ich noch tagebuch geführt
Kiewi ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 11.04.2007, 10:06   Der erste Marathon Beitrag #10
miatara
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Standard AW: Der erste Marathon

na denn auch von mir ein Griff in die "Oldiekiste".

Kurze Vorgeschichte (auch wenn der Bericht lang genug ist ):
Eigentlich wollte ich im April 2004 meinen ersten Marathon in Bonn laufen, hatte mich aber leider ganz kurz vorher verletzt. Für November war bereits eine Reise zum NewYorkMarathon gebucht, den wollte ich aber (aus welchen Gründen auch immer) nicht als Premiere laufen. Also habe ich mir noch einen Marathon zum "Üben" gesucht, die waren aber hinsichtlich ordentlicher Vorbereitung und ausreichendem Abstand zu New York halt im Juli und da gab es nicht viel Auswahl. Meine Wahl fiel dann auf den König Ludwig Marathon in Füssen (Allgäu). Wenn im Bericht von Foris etc. gesprochen wird, ist übrigens stes LA gemeint.

"So, das war er also, mein erster Marathon.

Wenn mir vorher jemand gesagt hätte, ich wäre mit einer Zeit von 4:54 Stunden für meine Premiere glücklich, hätte ich wohl etwas merkwürdig geguckt , aber im Laufe von 42,195 km verschiebt sich so manche Perspektive.

Aber von Anfang an:
Um den bedingt durch die Ferienbeginne (u.a. in Rheinland-Pfalz) angekündigten Staus zu entgehen, haben wir uns Samstag recht früh auf den Weg gemacht. Punkt 9:30 Uhr stand unser Auto auf dem Parkplatz vor dem Hotel, direkt am Hopfensee. Beim Aussteigen aus dem Auto musste ich noch mal ungläubig auf die Uhr sehen: So früh ist es schon so heiß hier? Na, das kann ja morgen heiter werden, denn knappe 24 Stunden später wollte ich hier entlang laufen.
Nach einem kurzen Spaziergang haben wir uns erst einmal ausgeruht und uns gegen Mittag dann in der Fischerhütte mit einem Kollegen und seiner Frau getroffen. Manfred wollte auch den KLM mitlaufen.
Nachmittags haben wir dann die Startunterlagen am Sportstudio in Füssen abgeholt und auch das schön gemachte Erinnerungs-T-Shirt mitgenommen. Alles ging recht zügig, die Helfer waren sehr freundlich und haben alle Fragen geduldig und ausführlich beantwortet.

Um die Nervosität zu mindern, sind wir dann noch in die Innenstadt von Füssen gefahren, um das am günstigsten gelegene Parkhaus zu erkunden und von dort den Weg zum Start-/Zielbereich zu finden. Abends haben wir uns dann mit Manfred und seiner Frau beim Italiener in Hopfen getroffen und bei sturzbachartigen Regenfällen gemütlich auf der überdachten Terrasse gesessen. Nachts dann heftigste Gewitter, bringen sie wohl Abkühlung oder nur Feuchtigkeit und damit schwüle Luft?

Da der Start mit 8:00 recht früh war, klingelte der Wecker bereits 5:15 Uhr. Das Hotel hatte mir ein recht üppiges Einzelfrühstück bereitgestellt, obwohl ich nur um ein typisches „Marathonfrühstück“ gebeten hatte. Etwas traurig erklärte ich dem emsigen Nachtportier, dass seine Mühen mit dem Joghurt und dem frisch geschnittenen Obst sowie der großen Wurst- und Käseplatte leider vergeblich waren.

Das Wetter war auch zu dieser frühen Morgenstunde nicht wirklich kühl. Kurz nach sieben waren alle Vorbereitungen getroffen und ich machte mich auf den Weg nach Füssen. Im Startbereich traf ich zuerst Manfred und wir beschlossen, erst einmal gemeinsam loszulaufen. Nachdem ich meine Utensilien noch am Gepäckbus abgeben konnte, traf ich dann auch die Fori-Truppe: Moori, Charly, Eric und seine Frau Petra sowie ein weiterer paßtschon98-Läufer standen vor der Touristeninformation in der Sonne. Ich musste noch mal eine dieser blauen Boxen besuchen und dann war es auch schon 7:50 Uhr, also ab in den Startbereich, wo ich Manfred wieder traf. Wir stellten uns ziemlich weit nach hinten, mit dem Transponder um den Fuß würden ja eh´ die Nettozeiten genommen werden. Noch einmal schnell die Marschrichtung: Jetzt, wo es noch kühl ist, sollte es mit einem 6:15er Schnitt für den km gut gehen.

Und dann war er endlich da: der Startschuß zu meinem ersten Marathon!

Gemächlich setzte sich die Läufermasse in Bewegung. Nach ein paar Schritten ging es in einen leichten Trab und wir überliefen die Startlinie. Allerdings lag hier keine Matte, sondern ein Sägespänstreifen (?).

Ich drückte meine Uhr an und es war tatsächlich passiert: Ich lief meinen ersten Marathon, ein unbeschreibliches, ein großartiges Gefühl.

Der erste km ging zunächst einmal durch die wunderschöne Füssener Fußgängerzone und dann über Kopfsteinpflaster recht steil hinunter zu einer Brücke über den Lech (der geneigte Leser möge sich diese Formulierung merken). Über den türkisgrünen Fluß ging es dann links auf eine breite abgesperrte Strasse. So hatten die Läufer Platz und das Feld konnte sich ganz bequem bewegen und sortieren. Das erste km-Schild erscheint bereits nach 5:57min. Das ist etwas schnell, also einen halben Gang herunterschalten. An einem Fußgängertunnel stehen die ersten Zuschauer und feuern uns an. Ich winke zurück und bedanke mich. Das werde ich während der ganzen Strecke nicht einmal auslassen. Hier werden wir ein paar km später wieder zurücklaufen, aber jetzt geht es erst einmal auf direktem Weg zu den Königsschlössern. Km 2 bei 6:12min, das ist schon besser. Der Puls pendelt so bei 157/158, das entspricht 85% meiner HFmax und der unteren möglichen Spanne beim Marathon. Im Nachhinein betrachtet aber vielleicht doch etwas viel für die ersten km beim Debüt. Über asphaltierte Radwege laufen wir Richtung Neuschwanstein. Kein Wunder, das dieses Schloß ein solcher Besuchermagnet ist, ein unglaublicher Anblick. Rechts kommt das nicht ganz so verrückte Schloß Hohenschwangau ins Blickfeld, auf das wir uns zügig zubewegen. Die km-Zeiten sind im Plan, 6:14 für Nr. 3, 6:16 für Nr. 4. Jetzt geht es links in den Wald und bei km 5 (6:15min) wird die erste Verpflegungsstelle um zwei Becher erleichtert. Weiter über einen wunderschönen Waldweg, rechts kommt wie verwunschen der Schwansee ins Blickfeld, den wir umrunden werden. Im Wald ist es feucht vom nächtlichen Gewitter, aber noch halbwegs angenehm von der Temperatur. Plötzlich rechts ein paar Zuschauer, ich erkenne die Fori-Fangruppe mit Ihren Rädern und winke fröhlich. Es tut gut, mit Namen angefeuert zu werden.
Es läuft wunderbar leichtfüßig, die nächsten km-Zeiten sind jetzt wie gemalt konstant bei 6:15min, der Puls bei durchschnittlich 157. Der Schwansee ist umrundet und es geht langsam wieder auf den Weg Richtung Füssen. Hinter dem schon durchlaufenen Fußgängertunnel haben sich die Zuschauer vermehrt und feuern uns an. Es geht über eine hölzerne Fußgängerbrücke über den knallgrünen Lech und am Lech vorbei zur zweiten Verpflegungstelle. Ein Stück Banane, ein Becher Iso, einer mit Wasser und die Marke für km 10 (6:15min) wird bei guten 1:02h passiert.

Jetzt bin ich warmgelaufen, meine HF sinkt bei konstantem 6:15er Tempo auf 154. Das Leben ist schön, ich bin pure Euphorie. Wir laufen am Forggensee und passieren das Schauspielhaus, in dem das König-Ludwig-Musical seine Erfolge gefeiert hat. Eine traumhafte Lage direkt am See. Weiter geht es ein Stück nach Füssen herein, einen kleinen Hügel hinauf, am Sportstudio und einer ansehnlichen Zuschauerzahl vorbei heraus aus Füssen Richtung Hopfen am See. Der Radweg ist etwas „wellig“ und verläuft in praller Sonne, die man nun zunehmend wahrnimmt. Bei km 15 (1:34h) die nächste Verpflegungsstelle, dann eine langgezogene Steigung hinauf und wieder hinunter nach Hopfen (km 16 in 6:16, HF 154).

Am Ortseingang von Hopfen werden wir links Richtung Campingplatz geleitet, dort am Parkplatz stehen Manfreds Frau Martina und Werner, ein alter Freund von Manfred, und bejubeln uns. Rechts um die Kurve und wir sind auf dem Rundweg um den Hopfensee, links der See und das herrliche Alpenpanorama, rechts der Ort, der sich auch die „Allgäuer Riviera“ nennt. Nach ein paar hundert Metern ist lächeln angesagt denn in Höhe unseres Hotels steht Anke mit dem Fotoapparat. „Ihr seht gut aus!“, ja so fühlen wir uns auch.

Unsere Fans haben uns offensichtlich etwas gebremst, denn km 17 schlägt mit 6:27 zu Buche, die HF steigt auf 162 !? hmm…

Weiter geht es um den See in voller Sonne. Es ist nicht mehr angenehm warm, es wird heiß und drückend. Die nächsten drei km am Seeufer lassen meinen Puls auf 166 steigen und das obwohl wir schon einen halben Gang herausgenommen haben, die km-Zeiten liegen nur noch bei 6:35 für km 19 und 20 (2:06h). Bis zur Verpflegungsstelle bei km 21 brauchen wir 6:46min, die Hälfte der Strecke ist also mit 2:13 erreicht, aber meine HF ist bei 168.

Tja, so geht das nicht weiter, ich habe noch 21km vor mir, die überstehe ich so nicht. Meine gute Laune ist dahin, weil ich mir das Ganze nicht erklären kann. Ich nutze einen Waldabschnitt für einen Boxenstop (in der Fori-Sprache auch Ralfen genannt) und lasse Manfred ziehen. „Ich trabe weiter, Du holst mich leicht ein“. Ich weiß, dass dies nicht der Fall sein wird.

Meine kurze Pause bringt zwar die km-Zeit nach oben (7:24 bei km 22), meinen Puls aber nicht deutlich nach unten. Es ist heiß und ich bin verzweifelt. Ich beschließe, die nächsten km erst einmal gemütlich zu joggen (ja Charly und Moori, Ihr hattet das richtig gehört ;-). Kurz nach km 22 ist die Seeumrundung abgeschlossen und dort steht mein eigener Fanclub mit Anke, Martina und Werner. „Mann ist das heiß“ sind meine einzigen Worte.

Die km 23-25 gehen über befestigte Wege, unterbrochen durch nur kurze Schattenabschnitte, immer in der Sonne. Die km-Zeiten liegen bei ca. 7:00min, die HF immer noch bei 163, ich habe keine Lust mehr. Es ist noch sooo weit und der Anstieg zum Alatsee kommt auch noch! Dann folgt als Sahnehäubchen noch der subjektiv furchtbarste Teil der Strecke. Es geht über eine staubige Schotterstrasse, der zukünftigen A7. Es ist heiß, die Sonne knallt und dem Verpflegungstand ist das Wasser ausgegangen. Es gibt nur noch süsses Iso-Zeug. Ja was denn noch? Ich gehe zum ersten Mal. Ich trabe. Ich gehe wieder. Ich habe keine Lust mehr. Ich bin frustriert. Wenn jetzt meine Fans hier wären, dann würde ich die Startnummer abreissen und aufgeben. Sie haben ein Auto dabei, sie könnten mich ins Hotel fahren. Aber hier ist niemand, nur vereinzelte Läufer, ein Mädel geht noch langsamer als ich, ein älterer Mann sitzt auf der Schotterpiste. Für diesen km 26 werde ich 8:09min brauchen, so what?

Nach diesem psychologischen Tiefpunkt geht es die nächsten km irgendwie weiter. Ich schaue mir die Berge und die Gegend an, Brücken und Hügel gehe ich hoch, den Rest jogge ich gemütlich. Die km-Zeiten bis km 30 liegen zwischen 7:30 und 8:00min, aber die stoppe ich ohne jegliches Interesse ganz automatisch. Die HF geht runter auf 150. Die in Tesafilm eingewickelte Marschtabelle, die als worst-case Szenario eine Endzeit von 4:45h vorgesehen hatte, wandert in einen Papierkorb, obwohl der genau sowenig damit anfangen kann wie ich.

Dann die nächste Verpflegungsstation. Ich bleibe stehen. Erst einmal Wasser, hier ein Stück Banane, da ein Stück Riegel, etwas Iso. Die Helfer sind freundlich, die mich umgebenden Läufer haben es auch nicht besonders eilig. Es wird sich nett unterhalten und gescherzt. „Jetzt kommt ja nur noch der Anstieg zum Alatsee, der Rest ist dann einfach“. Noch ein Becher Wasser in die Hand und ich gehe weiter. Das km-Schild 31 passiere ich nach 9:33min aber meine gute Laune ist zurück. Ich werde mich nicht mehr anstrengen , sondern den Rest geniessen. Ich werde es schaffen, wenn auch die 5h-Grenze wohl nicht zu machen sein wird, denn den kompletten Anstieg zum Alatsee über knapp 5km werde ich wohl gehen müssen.

Von einem kurzen Hauptstrassenstück geht es rechts Richtung Wald, dann ein unglaublich steiler Anstieg vor mir du auf halbem Weg meine Fans, Anke mit schussbereiter Kamera.
„Muß ich hier jetzt etwa laufen?“
„Nein, hier läuft jetzt eigentlich keiner mehr“
„Gut“

Martina drückt mir eine Flasche Wasser in die Hand, Anke begleitet mich ein paar Meter und Werner ruft: „Jetzt wird es zwar steil, aber der ganze Rest der Strecke liegt im Schatten“. Ich schlappe weiter. Es geht nicht nur steil bergauf, zwischendurch ist es etwas flacher, hin und wieder geht es sogar leicht bergab. Es geht durch den Wald und es ist schön. Die Spaziergänger und Radfahrer, die uns entgegenkommen oder von uns überholt werden klatschen rhythmisch und feuern uns an: Bravo, Super. Auch sie können die zweistelligen km-Schilder mit der 3 vorne sehen und nur erahnen, was wir leisten. An den Anstiegen läuft hier niemand mehr. Doch, da vorne läuft einer in einem roten Singlet. Merkwürdige kurze langsame Tippelschritte, aber er läuft. Nach ein paar hundert Metern überhole ich ihn gehend (!) aber immerhin wird er im Ziel vermutlich sagen können: Ich bin die ganze Strecke durchgelaufen.

Meine km-Zeiten bis oben zum Alatsee, der kurz vor km 36 erreicht wird, liegen zwischen 7:15 und 8:20min, der Puls liegt zwischen 146 und 150. Kurz nach der vorletzten Verpflegungsstelle direkt nach dem letzten Anstieg zum Alatsee geht jemand neben mir und meint: „Heute ist ja kein Wetter für Bestzeiten“. „Heute ist überhaupt kein Wetter zum Laufen“ entgegne ich mit Blick auf die Badewiese, von der uns knackige und wabbelnde Körper anfeuern und laufe wieder los. Es geht um den Alatsee herum. Es ist traumhaft schön hier, ein toller Badesee und mir fallen Fori helmuts Beschreibungen zu genau dieser Situation ein. Ein kurzes Stück am Seeufer durch den Wald, dann quasi durch eine Badewiese, links und rechts anfeuernde Rufe von den Handtüchern. Auf einem großen Holzblock in Ufernähe steht ein Junge und winkt herüber. „Los, zeig uns mal eine richtige Arschbombe“ ruft ein Läufer vor mir. Der Junge gibt sich alle Mühe und wird von uns frenetisch beklatscht.

Dann sind wir am See vorbei. Es ist immer noch wellig, aber jetzt geht es irgendwie mehr bergab als bergauf. Nach km 37 beginne ich zu laufen. Nicht schnell, aber ich laufe. Es ist schön. Es macht Spaß. Ich habe noch reichlich Kraft. Ich werde es schaffen. Ich werde den Rest der Strecke nicht einen einzigen Meter mehr gehen und noch ca. 20 Läufer überholen. Die km-Zeiten sind nicht wirklich besonders schnell, aber nach den langen langen Anstiegen ist es ein berauschendes Gefühl bei km 38 bis 41 jeweils eine 6:xx zu sehen, das letzte Mal war das bei km 25 der Fall.

Die Strecke führt an einem weiteren See, dem Obersee vorbei. Auch hier pralles Standleben, aber wir laufen weiter im Schatten und ich bin voller Glück. Ich werde es wohl doch mit einer 4 vorne schaffen, immerhin. Dann kommen ein paar Häuser, ein kleiner Hügel und rechts fließt wieder der türkisgrüne Lech. Ich kann das Schloß sehen, es ist gleich geschafft. Da vorne ist das km 42 Schild, 6:34 für den letzten km, der Puls bei lockeren 160. Vor mir kann ich oben die Brücke über den Lech sehen. Omeingottdasdarfdochwohlnichtwahrsein. Das ist die Brücke, über die wir heute morgen nach recht steilen Abstieg hinüber gelaufen sind (der geneigte Leser erinnert sich) und sie ist oben!! Das heißt vor der Brücke geht es links megasteil nach oben über Kopfsteinpflaster. Das tut weh, aber hier sind viele Zuschauer und niemand, wirklich niemand den ich sehen kann, geht hier. Die Reserven werden an diesem Anstieg noch einmal mobilisiert, aber er wird verdammich noch mal gelaufen. Dann bin ich oben, rechts geht es in die Zielgasse. Ich laufe schneller. Ich sehe das Zieltor, überhole noch einen Läufer, ich sehe Anke. Ich reiße die Arme nach oben. I did it!

Die Medaille wird mir umgehängt. Ich versorge mich mit Getränken. Anke ist da. Ich bin geschafft, aber überglücklich.

Plötzlich sind auch die anderen Foris da. Eric sieht aus, als ob überhaupt nichts passiert wäre. Anke macht mit meiner und Charlys Kamera Fotos von uns.

Ich genieße jeden Moment, schaue in viele geschaffte aber glückliche Gesichter.

Zur Statistik: 4:54:39 brutto (es gibt trotz Transponder keine Nettozeiten und ich stoppe meine eigene Uhr erst bei 4:56). Die Allgäuer Zeitung wird etwas von 760 gestarteten Läufer schreiben, 628 sind in der Ergebnisliste verzeichnet, der letzte mit 6:08h. Ich lande auf Platz 548, in meiner Altersklasse belege ich Platz 140 von 154 Finishern. Manfred hat es in 4:30:28 geschafft. Er ärgert sich über die fehlende Nettozeit, denn er wäre gerne auch offiziell unter 4:30 geblieben.

Der restliche Tag verläuft gemütlich. Kleiderbeutel abholen, ins Hotel, die Treppen ohne Probleme hinauf, Duschen, Ausruhen. Kurz vor 15:00 Uhr machen wir uns wieder auf den Weg zum Sportstudio zur Siegerehrung und Urkundenausgabe. Es ist warm im Zelt, aber die Stimmung ist gut. Die Organisation bringt auch diesen letzten Akt in mittlerweile gewohnter Perfektion zu Ende. Noch ein paar kurze Worte mit dem Fori-Tisch, dann geht es zum Tell nach Kaufbeuren, wo ein großer Grillteller auf mich wartet. Manfred und ich sind hellwach, das Adrenalin pulst durch unseren Körper, unsere drei Fans sind deutlich geschaffter und müder als wir. Naja, sie hatten auch einen hektischen Tag, wir mussten ja nur laufen.
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