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Zitat von 'Tirza',index.php?page=Thread&postID=26696#post266 96
...Kann ich mir vorstellen, dass das Filmen ne Abwechslung war. Ansonsten ist es ja doch eher eintönig gewesen oder? Zu der Schuhaktion - wie viel Paare hat denn jeder von euch tatsächlich angehabt?...
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Eintönig war es insgesamt gar nicht, die Filmerei und Fotografiererei zwischendurch war aber trotzdem immer wieder erfrischend. Ich habe 2 Paar Schuhe getragen und nicht allzuoft gewechselt, 2 oder 3 mal, falls ich das richtig in Erinnerung hab.
Ich hatte im Vorfeld damit gerechnet, dass eins der grössten Probleme die Füsse werden (Blasen, Schwellungen usw.), bei den langen Wanderungen war das nämlich immer das Hauptproblem, daher hab ich einfach mal jede Menge Schuhe für alle Gegebenheiten eingepackt. Auf den Treppen machten die Füsse dagegen fast gar keine Probleme, hinterher hate ich dann zwar etliche Blasen und 3 blaue Zehennägel, hat während der 24 Stunden aber nicht besonders wehgetan.
Gestern kam per Post die Urkunde sowie Rundenzeiten, da hab ich mir die Geschichte noch mal durch den Kopf gehen lassen und versuch es mal mit dem ...
Bericht vom megageilen 24-Stunden-Mt. Everest Treppenlauf
Ich fang gleich mit dem Start an, im Vorfeld war so viel los, vor allem im Kopf, das würde ein Buch füllen, kurze Zusammenfassung, ich hatte viel Respekt, fast Angst vor der Aktion.
Samstag, 2. Mai, 16 Uhr. Ohne Startschuss gehts auf die Strecke. 49 Männer und 4 Frauen setzen sich in Bewegung, vorne laufend, hinten gehend. In der ersten Runde hatte Günter gleich mal die Kamera dabei, so war der Einstieg erst mal spassig.
Für die erste Runde brauchte ich 13:15, geplant hatte ich 5 Runden pro Stunde, macht 12 Minuten pro Runde. Das ergäbe 20 Stunden für 100 Runden, macht 4 Stunden Reserve. Klingt entspannt, gell?
In den nächsten Runden war Kennenlernen der Mitläufer, der Treppenstufen, der Helfer und der Zuschauer angesagt. Es war heiss auf der Treppe im Weinberg, das gefiel mir, der Schweiss lief, nehm ich wenigstens eine gesunde Farbe mit nach Hause.
Runde 2 bis 10 marschierte ich zwischen 11:17 und 11:56 pro Runde, perfekt. Allerdings musste ich ständig etwas Druck machen, um diese Rundenzeiten zu erreichen. Treppab und auf den flachen Passagen war ich der Langsamste auf der Strecke, treppauf liefs sehr flott.
Runde 11 bis 20 gingen in knapp 12 bis gut 12 Minuten über die Bühne, auch mal eine Runde mit 14 Minuten (Kamera aus dem Zelt holen...), alles im grünen Bereich. Es war gegen 20 Uhr, 4 Stunden vorbei, da leg ich nach einem mehr oder weniger gemütlichen Marathon die Beine hoch. Nun hab ich also 20 Runden. 20 von hoffentlich 100. Das ist nichts, rein gar nichts. Kilometer 8,4 beim Marathon. Und doch schon ewig unterwegs.
Irgendwann gewöhnt man sich dran, zu vergessen, wie lang die Geschichte noch gehen wird. So ging es unspektakulär Richtung erstem grossen Zwischenziel... 50 Runden, Halbzeit, 42,2 km, 4424 Höhenmeter... ich hatte beschlossen, dass ich mir nach Runde 50 erstmals genüsslich eine Zigarette gönnen darf, wenn ich denn möchte. Der Gedanke beschäftigte mich immer wieder mal, ein Zeichen, dass es mir nicht gerade blendend ging.
Es war dunkel, es wurde kühl, ich schwitzte treppauf und fröstelte treppab, das grosse Loch, das gegen 2 oder 3 Uhr nachts kommen sollte kam nicht, ich liebäugelte mit dem Sonnenaufgang. In dieser Phase freute ich mich über die vielen Motivationsanrufe, auf ein paar liebe Freunde/Freundinnen war Verlass, das half mir, die Nacht gut rumzubringen. Neues Ziel: Zigarette gibts erst bei Sonnenschein... 50 Runden waren nach ca. 11 einhalb Stunden rum, die 4 Stunden Reserve waren unmerklich zusammengeschrumpft, die Rundenzeiten lagen inzwischen bei 13 bis 14 Minuten, ab und an kleine Pausen, da vergeht die Zeit schneller als ich dachte.
Ab Runde 55 wurde es langsam richtig zäh. Die Rundenzeiten gingen nun schon Richtung 16 Minuten, ich erinnere mich nicht mehr wirklich, was alles weh tat, wie mühsam es langsam wurde. Die Liste meiner Rundenzeiten zeigt mir aber, dass ich nach Runde 63 knapp eine Stunde Pause gemacht habe.
Das war der Zeitpunkt, wo das Rennen für mich gelaufen war, wo ich wusste, ich schaffe die 100 Runden nicht. Ich liess mich massieren, konnte nach der Massage minutenlang gar nicht mehr gehen, ass im Zelt eine Portion Nudeln, legte mich auf eine Wiese und genoss meine Zigarette, dazu Kaffee, das Leben kann schon unheimlich schön sein
Nun begann der Kampf mit dem Kopf. Ich schaffs nicht, was mach ich nun. Keine Lust mehr, Runden zu drehen, wofür auch. Schlafen? Nein, irgendwann wach ich ja leider wieder auf und dann werfe ich mir vor, nicht gekämpft zu haben. Ich war schliesslich bei der Sache dabei, um zu kämpfen, um zu leiden, um zu sehen, was geht und was nicht geht, um neue Erfahrungen zu sammeln.
Schlafen ist für mich keine neue Erfahrung. Schlafen kann ich gut, besser als alles andere, das muss ich mir nicht beweisen. So gings dann wieder auf die Strecke. Freund Uli kämpfte auch im Niemandsland herum, wir beschlossen, zusammen 70 Runden vollzumachen. Es lief absolut zäh, machte keinen Spass, nach 69 Runden wollte ich eine kleine Pause machen und warten, bis Uli auch 69 Runden hat.
Ich bin eingeschlafen, erst hinterher sah ich an den Rundenzeiten, dass ich eineinhalb Stunden Pause gemacht hatte.
So bin ich wieder auf die Strecke gegangen und nicht schlecht gestaunt, als plötzlich eine Zuschauerin "Holle" schrie. Auf der Startnummer stand "Holger". Dass Zuschauer "Holger" rufen war ich gewöhnt. Ich fragte sie, woher sie weiss, dass ich "Holle" heisse. Sie meinte, hey Holle, ich bin Doris... *ratterratter* ... Wahnsinn, Doris von den 0auf42ern, 2005 in Mainz kennengelernt, in Stuttgart nochmal irgendwann beim Laufen gesehen und ab und an Erfahrungsaustausch per Mail... sie stand also plötzlich an der Strecke und wollte mich wohl leiden sehen.
Sie war jedenfalls nicht damit einverstanden, dass ich nach 70 Runden aufhör. Wir einigten uns auf 75 Runden. 75 Runden, dreiviertel Mt. Everest, ja, das klingt akzeptabel. So drehte ich wieder Runde für Runde, inzwischen kamen die Anrufe von Thomas dazu, die mir halfen, den Arsch immer wieder in Bewegung zu setzen, dazu Ultra-Grace, die schimpfte, dass Aufgeben nichts für mich sei.
Es fing wieder an, Spass zu machen, sämtlicher Druck war weg, in 15 bis 17 Minuten brachte ich jetzt die Runden hinter mich, dazu immer wieder Pausen. Irgendwann war Doris dann wieder verschwunden, ich hatte noch ein paar Stündchen Zeit, so hörte ich nach den 75 Runden nicht auf.
Jetzt war jede Runde ein kleiner Erfolg für mich. Es war fast niemand mehr auf der Strecke, nach 23einhalb Stunden beschloss ich, mich von den Helfern und Zuschauern zu verabschieden, es war wunderschön. Als ich mit der letzten Runde durch war hätte ich noch eine Runde dranhängen können, es war noch genügend Zeit. Lust hatte ich auch noch, ich hatte mich aber verabschiedet, von allen an der Strecke und von den Treppenstufen, Schluss. Aus. Feierabend.
Der Schmerz ist vergessen, es war klasse, ich würds wieder machen, allerdings ist das Training dafür ziemlich ätzend, daher mach ich es nicht wieder. Nicht 2010
absolvierte Runden: 81
Streckenlänge: 68355,9
Höhenmeter: 7166,88
Stufen auf und ab: 64314
Rang: 23
Soweit meine spontanen Erinnerungen, danke fürs Lesen